pavot rouge

22. Mai 2017

A la hauteur/ week-end à deux

Abgelegt unter: champs de pavot — pavot rouge @ 11:15

A la hauteur

Hinter mir liegt eine ambivalente Woche. Mittlerweile kann ich zwar nicht über schulische Ungerechtigkeiten hinwegsehen, aber sie lähmen mich nicht wochenlang. Ich habe nichts zu befürchten – und das ist wirklich erleichternd, auch, wenn ich zwei Tage Grey’s Anatomy schaue und fluche. Danach schminke ich mich, ziehe ein Leopard-Kleid an, gehe mit einem Lächeln zur Schule und sage meine Meinung. A la hauteur, eben. Aufgestanden, wie in dem Lied, welches mich schon durch das Examen begleitete. Und weiter geht es.

Être à la hauteur
De ce qu’on vous demande
Ce que les autres attendent
Et surmonter sa peur
(Le Roi Soleil)
*

week-end à deux

Am Wochenende strahlte uns der er Japantag in farbenfrohen Kostümen entgegen. Wir kauften ein regenbogenfarbenes Lama, welches nun auf meiner Seite des Bettes wohnt, aßen Sushi und Burger in der Sonne. Der Sommer mit Dir ist immer ein Erlebnis, egal, in welcher Stadt wir sind. Ich liebe Dich und freue mich auf all die Abende, wenn die Luft so warm riecht, und wir Hand in Hand gehen (oder torkeln).

7. Mai 2017

Kölle-fornien

Abgelegt unter: voyage, voyage — pavot rouge @ 14:02

Ach, Kölle. Du hast mir wieder ein fabelhaftes halbes Wochenende beschert. Ein lautes, passioniertes Konzert, einmal from Venus to Mars, obwohl das Lied nicht gespielt wurde, ein Wiedersehen, eine vorgezogende Dekadenfeier mit obligatorischem Subway-Besuch des Nachts und ein tolles Treffen mit meiner Familie. Manche Traditionen werden sich glücklicherweise nie ändern. Und auch, wenn meine Liebe zu dieser Stadt nicht mehr so präsent ist, bleibt die Erinnerung.

Love always trusts
Love always hopes
It always perseveres
Love isn’t rude
It’s coming for you
The hand to dry your tears
(Lord of the Lost- “Credo”)

Photo by GMKB – Tausend Dank für all die Jahre plus loin de Leipzig! <3

27. April 2017

Strahlender Sommer

Abgelegt unter: l'art — pavot rouge @ 17:57

Für Alexander Kaschte, dessen Reisen, Bilder und Texte mich im Hinblick auf diese besondere Thematik zu einer Kurzgeschichte inspirierten.

Die Sonne ging auf. Ihre rötlichen Strahlen strichen über den kleinen Garten mit den Brombeeren, den Tomaten und dem grünen Beeten, die sich an den Seiten erstreckten. Der Sommer kam, er erhellte fast alles. Sie saß im vierköpfigen Baum. Ein großer Stamm. Vier kleine. Zwei musste Papa fällen. Dafür waren sie nun für sie perfekt. Sie strich das Blumenkleid glatt und setzte sich, die grünen verwaschenen Blüten passten zu ihren roten Haaren, die Mama jeden Tag zu kunstvollen Zöpfen flocht. Im Sonnenaufgang spielten ihre Haare mit dem Licht. In einer Stunde kämen die Touristen. All die Menschen mit Kameras, verschiedenen Anziehsachen, Markenschuhen. Sie würden ihre Handys schwenken, vielleicht den notdürftigen Zaun fotografieren, als Beweis, dass es hier Leben gab. Dass sie nicht über tote Knöchelchen stiegen. Manchmal schlich sie sich an den Zaun und hörte den Erklärungen der Guides zu, schnappte Worte auf. Geiger counter. Oder accident. Havarie. Manchmal schlich sie im Garten umher, pflückte Beeren und aß sie, um zu beweisen, dass sie noch lebte. Ihre Eltern schimpften manchmal, taten es ihr jedoch gleich. Zum Abendessen kam Babuschka vorbei, mit Krückstock aber sehr lebendig und manchmal stießen die Erwachsenen mit Samogonka an, Selbstgebranntes sei gesund, sagten sie. Nach dem Abendessen schlich sie sich zu ihrem Baum, versteckte sich darin und träumte Geschichten von einem erwachsenen Leben, irgendwo in einem fernen Land, mit teuren Schuhen und neuen Lebensmitteln, die ihre Eltern nur an Feiertagen mitbrachten. Manchmal machte sie die Zöpfe auf und rannte durch den Garten wie eine Heldin in anderen Erzählungen, es fehlten nur noch Pfeil und Bogen. Irgendwann würde es so sein. Die Sonne stand hell und warm am Himmel, die ersten Touristenbusse fuhren langsam vorbei. Die goldzähnige Fremdenführerin brüllte fast aus dem offenen Fenster, Katastrofa, schrie sie. Katastrofa. Sie verließ blitzartig ihren Baum, kletterte über den Zaun, als der Busfahrer sie sehen konnte. Die Touristen zückten ihre elektronischen Geräte. Sie streckte einfach ihre Zunge heraus, obwohl eine Heldin mit Pfeil und Bogen so etwas nicht machte. Irgendwann würde ihr Tag kommen. Auf dem Rückweg aß sie eine Brombeere. Wahre Heldinnen fürchteten nichts. Einige Sommer noch.

*

Unbedingt anschauen:

http://insektenhaus.bigcartel.com/product/und-der-name-des-sterns-heisst-demut

25. April 2017

vor der Samtrockzeit

Abgelegt unter: champs de pavot — pavot rouge @ 15:49

Als ich anfing, Samtröcke zu tragen, meine Augen mit Kajalbäumchen zu zieren und Lyrik zu verfassen, war mein Soundtrack eher finnisch, voll mit love, death und poisoned souls. Ich las über viel ältere Zeiten, irgendwann in den Achtzigern, in leicht angeranzten  Etablissements, mit Fliehende Stürme und viel New Wave. Damals waren Ville und Jyrki einfach spannender, sie ließen mein kleines Jugendherz höher schlagen, aber ich wusste immer, dass das, was für mich vor siebzehn Jahren begann, eine viel tiefere Tradition hatte. Letztes Jahr war ich auf mehreren Konzerten und ich glaube, dass ich nun verstehen kann, warum sich die Bands halten, die älteren Menschen mit den Irokesen sich Joy Division hingeben und warum man von Berlin nach Bochum fährt, um Secret Discovery zu sehen. Es ist der Geruch von Lederjacken und Haarfarben, eine andere Musik, eine Ära vor meiner Zeit, aber wäre ich zehn Jahre älter, hätte ich diese beständige, manchmal geheimnisvolle, manchmal schrammelige Musik bestimmt früher entdeckt. Immerhin tanze ich nun auf Altgrufti-Festivals und seufze manchmal, wenn ich mir vorstelle, dass ich tatsächlich etwas verpasst habe.

Die Szene ist alt und nicht mehr innovativ. Aber ich werde sie wohl immer lieben. Und mir mein Achtziger-Gothic-Ich vorstellen. Vielleicht hätte ich auch einen lila Irokesen gehabt, mit einer zerrissenen Jeans und vielen Buttons. Im Zwischenfall wäre ich über die Tanzfläche geschwebt, zu “Friday I’m in love”. Leider bleibt mir nur mein Plattenspieler, aber ich weiß nun ganz ungefähr, wie es sich angefühlt haben muss.

21. April 2017

Ritual(e)

Abgelegt unter: champs de pavot — pavot rouge @ 16:06

Seit drei Jahren haben wir dieses Ritual. Sushi, Bier und neuerdings die schwarze Tanzfläche. Unsere Treffen sind nicht mehr studentisch- spontan und wir haben kein linguistisches Pseudoprojekt, keine Referate über Sprachdidaktik mehr. Dafür eine Freundschaft, die bleibt. Wir lamentieren über das Berufsleben und doch sind wir in dreizehn Jahren erwachsen geworden, haben uns gegenseitig begleitet, geholfen, Tränen getrocknet. Gefallen und aufgestanden.

Gestern tanzten wir zu And One und strandeten mit Prosecco in Duisburg, machten verwackelte Fotos und verpassten fast den Zug. Manchmal sind wir im Geiste wohl doch Anfang zwanzig, rauchen im Bistro und krakeln unsere Namen auf Anwesenheitslisten.

Wenn ich achtzig bin, kommst Du hoffentlich immer noch vorbei, wir essen Maki und fahren mit den Rollatoren in die Gothickaschemmen. Oder wir setzen uns an die Sieg und trinken Bier. Dann erinnern wir uns daran, wie Du meinen Namen auf einen Zettel gekrakelt hast und wir im tiefsten November Freunde wurden.

14. April 2017

Tour de Nord – rewritten

Abgelegt unter: voyage, voyage — pavot rouge @ 17:49

Im Paderborner Hotel knetete ich unruhig meine Finger. Kurz vor der Lesung begleiteten mich die ersten Klänge von Asen’ka und das Plüscheinhorn des besten Ehemanns. Obwohl ich in einem gefühlt geschützten Raum las, war ich nervös. Nach den ersten drei Worten war das Gefühl verflogen, die Aufregung hat sich gelohnt, die Arbeit an neuen Geschichten, der vorherige Perfektionismus. Es war ein unbeschreibliches Erlebnis, wieder vor Publikum zu lesen, neun Jahre waren für mich ohne Lesebühnen vergangen und damals war ich ein ganz anderer Mensch auf den jungen, unsicheren Brettern der cité de la victoire. Damals bestimmten Ovids Philomele und diffuse Schuldgefühle meine literarische  Stimme, es ging um abgeschnittene Zungen, unsichere Gefilde und einen Verlust, den es zu verschmerzen galt. Jetzt war es besser. Sicherer. Ausgereifter. Wie eine lange gewünschte Wiederkehr. Ich will mehr. Vielen Dank, dass es mir ermöglicht wurde. Julian, ich hoffe auf mehr Mohnblumen und Absinth. Und nächstes Mal bleibe ich länger zur Aftershow.

*


Hamburg empfing uns mit Sonnenschein, am nächsten Tag mit Wind und Regen. Wir fuhren mit dem Touristenbus umher, aßen exzellentes Lammfleisch und Schmalzgebäck auf der Kirmes, das Musical mit bunten Kostümen und Kindheitserinnerungen brachte mich fast zum Weinen. Das Hotel war heimatlich, es hat uns nur wenige Monate nicht gesehen. Früher fand ich Hamburg nur kalt, windig und verpflichtend, aber im letzten Jahr verliebte ich mich neu in den nordischen Himmel. Die guten Plattenläden. Das Flanieren an der Alster. Den Stofftierladen. Und in jeden unserer gemeinsamen Momente dort. Hoffentlich kommen wir bald wieder. Hamburg, meine Perle. Dort sagt man Digga. Digga, ich will zurück.

13. April 2017

Einfach nachtwärts

Abgelegt unter: l'art — pavot rouge @ 08:58

Endlich online nach der Lesung. Ein Text für den großartigen Dirk Bernemann.

Die Nacht senkt sich über die pulsierende Großstadt, die Menschen gehen schneller, als hätten Sie Angst vor den Monstern, die bei Dunkelheit ihren Ohren und Mündern entspringen, sie ziehen sich Kapuzen in die Gesichter und eilen zielgerichtet umher, schnell, schnell, zum schützenden Cocktailglas mit Schirmchen, zur Kakophonie der Clubs. Auf dem Asphalt klackern die Absätze, die Lichter der Autos rasen an mir vorbei.

Ich liebe die Nacht. Nicht, weil ich einer Subkultur angehöre, in der alle sich für romantische Lyriker halten. Nicht weil ich in ihr eilen kann, ich schreibe keine Gedichte über sie. Sie ist bloß ein Abenteuer, wie ein Essen im Dunkelrestaurant, wenn man auf seinem Teller herumstochert und nicht weiß, ob man gerade Hühnchen oder Rind isst. Wenn man die Gabel fallen lässt und nicht mehr findet. Sie ist das Ungewisse, Unvorhergesehene. Ich lasse mich in ihr treiben, langsam gehe ich Schritt für Schritt, blicke gedankenverloren nach oben. Das erste Bier rumort leise in meinem Magen, man wird sehen, was die Aventiure im Dunkeln noch bringt. Aus den Kopfhörern kommt Domian, die Frau in der Leitung sammelt Barbiepferde und er tut so, als sei dieses Hobby unglaublich spannend. Ich stelle mir gerade vor, wie viel Platz man für hundert Pferdchen braucht. Als Domian fragt, ob die Frau die Pferdehaare bürstet, rempelst du mich an. Ich erschrecke für einen Augenblick. Du entschuldigst Dich und sagst, Du seist einfach gedankenversunken unterwegs. In meinen Ohren sagt Domian: “Was machen die Plastikpferde mit dir?” Ich stecke die Kopfhörer ein und stelle mich vor. Du läufst auf einmal schweigend neben mir. Die Stadt verschwimmt in bunten Lichtern, orange, blau, violett. Dein Schweigen löst sich. “Ich kenne einen Club, ganz in der Nähe”, sagst Du. Ich folge Dir, die Schatten treiben mich. Deine grünen Augen funkeln im Laternenlicht und bekommen braune Sprenkel, als hätte der Herbst sie heimlich angemalt. Im Club sehe ich, dass Du ein rückenfreies Top trägst. Auf Deinem Rücken steht in geschnörkelten Lettern ein lateinischer Spruch und ich versuche nicht daran zu denken, wie klischeehaft ich das finde. Du steckst Deine schwarzen Haare hoch, siehst mich zwinkernd an. Ich folge Dir fast schleichend. Auf der Tanzfläche läuft Nirvana und ich falle wieder in Klischeegedanken, frage mich, wie die Nacht vor ewigen Jahren war und ob sie Kurt Cobain einfach aufgegessen hat. Die Nacht frisst alle, die sie fürchten. Du prostest mir zu und strahlst. Wir tanzen eng umschlungen. Ich finde dich auf einmal attraktiv und streiche über das Muttermal oberhalb deines Tattoos. Ich frage dich, was das Zitat bedeutet. “Das Leben endet, aber die Liebe nicht”, seufzt Du in mein Ohr. Ich finde es sehr plakativ, aber ich verschweige es, die Nacht ist ein Abenteuer, mal fallen Gabeln, mal springen Klischeezitate aus ihr hervor. Nach dem sechsten Bier tanzen wir zu Masterboy, ich fühle tatsächlich die Hitze der Nacht und werde fast sentimental, der Alkohol flüstert mir eine alte Melodie zu. Wir küssen uns, holen unsere Jacken, verlassen den Club, torkeln in eine Seitengasse. Ich sage Dir, Du solltest unter dein Zitat einen Text von Masterboy tätowieren lassen und du lachst das abenteuerlich weiße Lächeln zwischen den Schatten. Ich streiche über Deine Wange, wir torkeln weiter bis zur Brücke, ich lalle: “Das Leben endet aber die Leber nicht”, von Deinem Kichern vibrieren die Laternen, bald gehen sie aus, es wird hell, der Zauber verfliegt. Du gibst mir einen Abschiedskuss, ich überlege, ob ich Dich nach Deiner Nummer frage, aber ich bin zu betrunken, ich lalle stattdessen ein Carpe Noctem in den Sonnenaufgang, schäme mich für eine Sekunde, Du lachst und gehst, ich stehe da, wie ein Idiot, während die Sonne aufgeht, der Zauber verfliegt und die Kehrfahrzeuge anfangen zu brummen. Ich kotze auf die Brücke und schleppe mich zum nächsten Taxi, mit Augensprenkeln und Barbiepferdemähnen in meinem Kopf. Die Nacht ist ein Abenteuer, auch, wenn man danach kotzen muss.

30. März 2017

<3

Abgelegt unter: champs de pavot — pavot rouge @ 18:12

Ein sonniger Ausflug nach Bochum. Wir speisten im Restaurant der Hochzeitsfeier, fast sieben magische Jahre her.  Auf dem Platz war immer noch dieser Art-Garfunkel- Straßensänger, die Stadt war voll und die Gebäude, die immer noch zusammengewürfelt wirken, strahlten fast im Licht des Frühlings. Drei Tage später flohen wir vom Subway to Sally-Konzert, ließen die gammelige Meute mit dem alternden Sänger hinter uns und kauften Smirnoff am Nostalgiekiosk. Wir küssten uns am Rathaus und liefen Hand in Hand zum Bahnhof. Es ist gut, dass die Bochumer Unsicherheiten hinter uns liegen, genau wie die Konzerte mit Eric Fish. Ich liebe Dich, bester Ehemann. Und bester partner in crime.

12. März 2017

Wo ein Ville ist, ist auch ein Weg

Abgelegt unter: champs de pavot — pavot rouge @ 10:39

There are things you should know
And the distance between us seems to grow
But you’re holding on strong
And, oh, how hard it is to let go

(HIM – Your sweet 666)

Liebster Ville Valo,

die Nachricht, dass HIM sich trennen, traf mich auf der Skifreizeit. Es war gut, denn sonst hätte ich wahrscheinlich den ganzen Abend geweint. So stoppte ich die tausend Bilder in meinem Kopf und verließ das Zimmer in der Jugendherberge, um mit den Kindern zu spielen. Auf dem schneebedeckten Berg saß ich am nächsten Tag in der Sonne und hörte “Wings of a butterfly”, als alle die Piste unsicher machten. Du hast mich somit auf der ambivalentesten Klassenfahrt begleitet, als ich die Tage zählte und am Ende doch alles gut wurde.

Es scheint ewig her, aber vor siebzehn Jahren fiel mir diese pinke CD in die Hände. Ich war sofort verliebt in Deine geheimnisvolle Art, sie war für mich das Tor zu einer neuen Welt und veränderte mein Leben. Ohne Dich hätte ich nicht den besten Ehemann getroffen, wäre vielleicht niemals auf dem M’era Luna gewesen, hätte weniger gelesen und kaum Gedichte geschrieben. Ich habe Dich mehr geliebt, als meinen ersten Freund und Dein asthmatisches Einatmen bei “Pretending” ließ mein Herz hüpfen. Ich bin Dir so dankbar, bestimmt sind es viele andere Menschen in meinem Alter und ich bin nicht einzige Frau über dreißig, die ein kleines Heartagram am Knöchel trägt und Deine Lieder immer noch auswendig mitsingt.

Ohne Dich wäre ich nicht nach Helsinki gereist, wäre nie sehnsüchtig nach den Esplanadi gewesen, hätte wahrscheinlich keine Tattoos. Du hast mich verrückt, aber kreativ gemacht und ich freue mich auf den Dezember im Palladium, wenn Du das letzte Mal für mich singst. Dann verabschiede ich mich von meiner Jugend, bemerke, dass auch Du älter und verbrauchter geworden bist. Aber wenn Du einatmest oder lässig an Deiner Zigarette ziehst, werde ich weinen und seufzen.

Ich habe die Klassenfahrt überlebt, der ganze Stress fällt nun langsam von mir ab und nun höre ich endlich all meine CDs von Dir. Rakastan sinua. Kiitos für alles.

22. Februar 2017

Piter

Abgelegt unter: leningrad, voyage, voyage — pavot rouge @ 17:08

Als ich heute zur Haltestelle ging, klebte ein einsamer Tscheburaschka-Sticker am Laternenpfahl. Anscheinend sollte ich mich erinnern. Vertraute Fremde. Piter, mon amour inconnu. Gestern in Dortmund surrte die Nadel des russischen Gasttätowierers über mein Bein. Er erzählte vom Leben in meiner verschwommen-alten Heimat, von seinen Plänen, diese zu verlassen, weil er sich eine Zukunft in Europa besser vorstellen kann und seine Freunde in Helsinki vermisst. Ich wurde eine nostalgische Pfütze, in meinem Kopf spielte Oleg Gasmanov, gemischt mit For my Pain, Omas Blumentapete vermengte sich mit Spaziergängen am Tavastia, Tuomikirkko mit der umschwärmten aber fremden weißen Nacht. Mein neues Kunstwerk war innerhalb von gefühlten Minuten fertig, die Zeit flog. Wenn ich es irgendwann nach Piter und Helsinki schaffe, nehme ich ein Souvenir auf meiner Haut mit.

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